Technik
Lokale Transkription (On-Device)
Auch bekannt als: On-Device-Transkription, Offline-Transkription, lokale Verarbeitung
Lokale Transkription ist ein Verfahren, bei dem ein Spracherkennungsmodell eine Aufnahme vollständig auf dem Rechner des Nutzers in Text umwandelt, ohne die Audiodatei an einen externen Server zu senden. Gebräuchliche Bezeichnungen dafür sind On-Device-Transkription und Offline-Transkription. Das Modell liegt als heruntergeladene Datei auf der lokalen Festplatte, und die Berechnung läuft auf der Hardware des Nutzers, nicht auf einem Server des Anbieters.
So funktioniert es
Ein Whisper-Modell führt die Spracherkennung auf dem Prozessor oder der Grafikkarte des Rechners aus, auf dem die App installiert ist. memozero bietet dafür die Modelle Whisper 3 Turbo Deutsch, Whisper 3 Mehrsprachig und Whisper 3 Turbo Mehrsprachig zur Auswahl an. Beim ersten Start lädt die App das gewählte Modell aus der Cloud herunter, ein Vorgang von rund 10 Gigabyte. Danach läuft die Erkennung ohne Internetverbindung, wie So funktioniert memozero beschreibt.
Eine Internetverbindung braucht die App nur noch für drei Vorgänge: die Prüfung der Lizenz, das Einspielen von Updates und den einmaligen Download eines weiteren Modells. Keiner dieser drei Vorgänge überträgt die Aufnahme oder das Transkript. Die App läuft als Desktop-Anwendung für Windows 10 und 11 sowie für macOS mit Apple-Silicon-Chip (M1 oder neuer); ältere Intel-Macs unterstützt sie nicht, laut der memozero-Dokumentation “Systemvoraussetzungen und Installation”. Für den Bearbeiter bedeutet das: Er richtet den Rechner einmal ein und arbeitet danach unabhängig vom eigenen Netzwerk oder von der Verfügbarkeit eines externen Dienstes weiter.
Bedeutung für Transkripte im forensischen Kontext
Wer einer Schweigepflicht unterliegt, gibt bei einer Cloud-Transkription ein Geheimnis an eine weitere Stelle weiter. § 203 Abs. 1 Nr. 1 StGB stellt es unter Strafe, wenn ein Arzt, Zahnarzt, Tierarzt, Apotheker oder Angehöriger eines anderen Heilberufs ein fremdes Geheimnis unbefugt offenbart. Berufspsychologen mit staatlich anerkannter wissenschaftlicher Abschlussprüfung fallen unter Nr. 2. § 203 Abs. 3 Satz 2 StGB erlaubt die Weitergabe an “sonstige Personen, die an ihrer beruflichen oder dienstlichen Tätigkeit mitwirken”, nur, soweit dies für die Tätigkeit erforderlich ist, und Abs. 4 stellt die unbefugte Weitergabe durch diese mitwirkenden Personen selbst unter Strafe. Bei der lokalen Transkription entfällt diese Weitergabe an eine mitwirkende Person, weil die Aufnahme den Rechner des Bearbeiters zu keinem Zeitpunkt verlässt.
Aus demselben Grund entsteht kein Auftragsverarbeitungsverhältnis nach Art. 28 DSGVO. Die Vorschrift verpflichtet den Verantwortlichen, nur mit Auftragsverarbeitern zusammenzuarbeiten, die hinreichend Garantien für eine Verarbeitung im Einklang mit der Verordnung bieten, und einen Vertrag zu schließen, der die Verarbeitung “nur auf dokumentierte Weisung” festlegt. Ein solcher Vertrag setzt voraus, dass eine zweite Stelle die Daten verarbeitet. Bleibt die Aufnahme auf dem eigenen Rechner, verarbeitet keine zweite Stelle personenbezogene Daten, und die Pflicht aus Art. 28 DSGVO greift nicht.
Für die Nachweisbarkeit im Verfahren zählt zusätzlich, welches Modell zu welchem Zeitpunkt gerechnet hat. memozero kann beim Export Verarbeitungsdetails wie Modell, Version und Datum mit ausgeben, sodass der Bearbeiter dokumentieren kann, unter welchen Bedingungen das Transkript entstanden ist.
Abgrenzung
Der Unterschied zur Cloud-Transkription liegt darin, wohin die Aufnahme gelangt, und daraus folgen die rechtlichen Pflichten. Bei lokaler Transkription bleibt die Aufnahme auf dem eigenen Rechner. Ein Cloud-Dienst reicht sie dagegen an den Server eines Anbieters weiter, der sie dort verarbeitet oder von Subunternehmen verarbeiten lässt. Diese Konstellation ist eine Auftragsverarbeitung im Sinne von Art. 28 DSGVO und braucht einen Vertrag mit den in Absatz 3 der Vorschrift genannten Pflichten, etwa zur Vertraulichkeit und zu Sicherheitsmaßnahmen.
Der Hinweis “Server in der EU” beantwortet nur die Frage nach einer Drittlandübermittlung im Sinne von Art. 44 ff. DSGVO, also ob Daten ein Land außerhalb des Europäischen Wirtschaftsraums erreichen. Er beantwortet nicht die Frage, ob überhaupt eine Auftragsverarbeitung vorliegt. Ein Server in Frankfurt verarbeitet die Aufnahme ebenso als zweite Stelle wie ein Server in einem Drittland, und Art. 28 DSGVO gilt in beiden Fällen gleich.
Häufige Fragen
Ist lokale Transkription automatisch DSGVO-konform?
Nein. Die lokale Verarbeitung vermeidet eine Übermittlung an einen Auftragsverarbeiter, hebt aber die übrigen Pflichten aus der DSGVO nicht auf. Für Zugriffsschutz, Aufbewahrung und Löschung der Aufnahme auf dem eigenen Rechner bleibt weiterhin der Verantwortliche zuständig, also der Sachverständige, die Kanzlei oder die Behörde, die den Rechner nutzt.
Braucht lokale Transkription einen Auftragsverarbeitungsvertrag?
Nein, solange keine zweite Stelle die Aufnahme verarbeitet. Ein Vertrag nach Art. 28 DSGVO setzt eine Verarbeitung durch einen Auftragsverarbeiter voraus. Verarbeitet ausschließlich der Rechner des Nutzers die Aufnahme, entsteht kein solches Verhältnis. Ob das im Einzelfall auch für begleitende Daten wie die Lizenzprüfung gilt, prüft der Datenschutzbeauftragte der jeweiligen Stelle gesondert.
Verlassen auch die Lizenzdaten den Rechner nicht?
Doch, die Lizenzprüfung und Updates laufen online und übertragen Daten wie den Lizenzschlüssel. Diese Übertragung betrifft nicht die Aufnahme oder das Transkript, sondern ausschließlich Verwaltungsdaten der Software. Für die Bewertung dieser Übertragung nach Art. 44 ff. DSGVO gelten andere Maßstäbe als für die eigentliche Transkription.
Quellen
- Bundesministerium der Justiz: § 203 StGB, Verletzung von Privatgeheimnissen. https://www.gesetze-im-internet.de/stgb/__203.html
- Verordnung (EU) 2016/679 (DSGVO), Art. 28, Auftragsverarbeiter. https://dsgvo-gesetz.de/art-28-dsgvo/
- Verordnung (EU) 2016/679 (DSGVO), Art. 44, Allgemeiner Grundsatz für die Datenübermittlung. https://dsgvo-gesetz.de/art-44-dsgvo/
- memozero: Systemvoraussetzungen und Installation. https://memozero.io/de/docs/systemvoraussetzungen-und-installation
- memozero: So funktioniert memozero. https://memozero.io/de/docs/so-funktioniert-memozero